Digitalisierung, Automatisierung, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz: Kein anderes Thema beherrscht die Medien momentan so sehr wie jenes, das diese vier Schlagwörter miteinander vereint. Was in Zukunft Bankkaufleute und Altenpfleger betreffen wird, die um ihren Job bangen müssen, macht auch vor Journalisten, Autoren und anderen “Schreiberlingen” keinen Halt. Automatisierte Texterstellung beschert großen Onlineverlagen bereits heute Unmengen an (qualitativ hochwertigem) Content und damit einen klaren Wettbewerbsvorteil. Wir fragen deshalb: Werden Autoren bald zu Datenschürfern degradiert, die nur noch Information als strukturierte Daten für “Textmaschinen” bereitstellen?

Automatisierte Texterstellung

Texterstellung durch künstliche Intelligenz

Was ihr gerade lest, hat ein echter Mensch zu digitalem Papier gebracht, der sicher nicht immer jedes Wort so schreibt, wie es der Duden empfiehlt. Auch der schmale Grad zwischen dem „um den heißen Brei herumreden“ und einem gesunden Mehrwert gestaltet sich mitunter als Drahtseilakt. Fällt man von diesem Drahtseil herunter, muss der eigentlich schon fertige Text noch einmal umstrukturiert, ergänzt oder gekürzt werden. Die Folgen? Zeitlicher Mehraufwand und weniger Geld: Denn die meisten Abrechnungsmodelle zwischen freischaffenden Textern, Autoren und Journalisten, deren “Berufsgrenzen” im digitalen Zeitalter ohnehin weiter verwischen, erlauben nicht immer, dass man sich noch mal die Extramühe macht, die ein Thema eigentlich verdient hätte.

Künstliche Schreibsklaven: kosteneffizient und fehlerfrei

Maschinen müssen allerdings keine Miete zahlen, haben auch keinen Hunger, der gestillt werden muss (mal abgesehen von der ganzen Energie, die uns die Digitalisierung in allen möglichen Bereichen kostet) und zudem keinen Bedarf an ein paar Tagen Urlaub. Auch um die Altersvorsorge muss sich eine Software keine Gedanken machen. Die “Maschine” schreibt stattdessen pausenlos – ein Schreibsklave, der keine Fehler macht und wenig kostet; jedenfalls, wenn man den Ertrag bringenden Output mit einkalkuliert. Und nicht nur das: Eine Software, die auf maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz basiert, lernt schneller; so viel schneller, dass diese Software irgendwann spannendere, hilfreichere und klarer strukturierte Texte schreiben wird, als es der erfahrenste Schreiber je konnte.

Automatisierte Texterstellung: was heute schon geht

Bereits heute setzen große Onlineshops und Plattformen bei ihren Produktbeschreibungen und Infotexten auf automatisierte Texterstellung. Auch Nachrichtenportale haben die künstliche Intelligenz schon für sich entdeckt. Denn weder Produktbeschreibungen, noch simple News-Meldungen erfordern besondere Kreativität. Hier geht es viel mehr um die einzigartige Reproduktion von Bestehendem. Und das kann Software, die heute auf dem Markt ist, bereits sehr gut.

Beispiel: Ist ein Produkt in einem Onlineshop in unterschiedlichen Größen und Farben erhältlich, möchte der Betreiber häufig für jede Abwandlung des Produktes einen eigenen Beschreibungstext, der vor dem Hintergrund der Suchmaschinenoptimierung unique, also einzigartig sein sollte. Bei Tausenden von Produkten kommt hier eine Menge an Texten zustande, bei der jeder Texter verrückt würde. Die Software erledigt den Job nach erfolgter Datenfütterung in wenigen Sekunden.

Automatisierte Texterstellung bald kreativ?

Aber was, wenn der Faktor Kreativität bei automatisierten Textprogrammen zunimmt und die “Roboter” irgendwann Themen in kurzweiligen Kolumnen besser einordnen können als die angesehensten Kolumnisten großer Zeitungen oder gar genau so spannende Bücher schreiben wie Fitzek, Schätzing und Co? Dann wird möglicherweise Masse richtig klasse, schließlich könnte eine künstliche Intelligenz aus den richtigen Daten Hunderte Seiten dicke Wälzer in nur wenigen Minuten erstellen. Amazon und Thalia könnten noch mehr Bücher verkaufen, große Onlineverlage ihre Hegemonialstellung weiter ausbauen und durch Massen an qualitativ hochwertigem Content jeden kleinen Blog und jedes kleine Infoportal endgültig von den ersten Seiten in Google verdrängen. Aber so weit sind wir (zum Glück) noch lange nicht.

Wie automatisierte Texterstellung funktioniert

Software zur automatischen Texterstellung benötigt zuerst einmal Daten. Sind diese in so strukturierter Form wie möglich ins System eingespeist, analysiert die künstliche Intelligenz diese Daten, um sie nach erfolgter Anpassung durch den Menschen in einem nächsten Schritt tausendfach unique und auf Wunsch in mehreren Sprachen auszugeben. So ganz ohne Menschen, die auf Datenbanken für die Programme erstellen, funktioniert es also noch nicht. Erst wenn die Programme sich selber füttern, dürfte es “gefährlich” werden.

Was schon erfolgreich im E-Commerce eingesetzt wird, freut zunehmend auch Finanzdienstleister, die damit aus Steuer- und Branchendaten Wirtschaftsberichte über Unternehmen erstellen und Zeitungen, die im Handumdrehen Nachrichten über Aktienentwicklungen oder die neuesten Sportergebnisse publizieren.

Automatisierte Texterstellung NOCH keine Konkurrenz

Um den Bogen zu spannen und die Eingangsfrage zu beantworten: Noch ist Software zur automatischen Texterstellung nicht in der Lage, zu werten und einzuordnen. In absehbarer Zeit werden also weder (Online)-Journalisten noch Buchautoren durch künstliche Intelligenz komplett ersetzbar. Denn zwar oft als Schreiberling abgewertet, besteht ein Großteil der Arbeit von seriösen Schreibern ja nicht aus dem reinen “zu Papier bringen”, sondern in der Recherche, dem (Aus)sortieren, dem kreativen Verknüpfen von Daten bzw. Information sowie der Aufbereitung dieser Informationen für die jeweilige Zielgruppe.

Was passiert, wenn diese Schreibroboter zunehmend kreativer werden, keine Menschen mehr für die Erstellung neuer Datenbanken benötigen und durch immer weitreichendere Verknüpfungen auch in der Lage sein werden, wertende Texte zu schreiben, ist jetzt noch nicht abzusehen. Möglicherweise werden Algorithmen dann nicht nur über Recht und Gesetz oder die Vergabe von Krediten entscheiden, sondern auch zu digitalen Reportern und Redakteuren mutieren.

Momentan gilt: Wirkliche Qualität, die in einem Massenmarkt die einzige Chance ist, sich positiv abzuheben, kann mittelfristig nur der Mensch liefern.

Texter, die sich mehr oder weniger um ausschließlich Kategorie- und Produktbeschreibungen kümmern oder Mitarbeiter von Redaktionen, die nur Nachrichtenmeldungen umschreiben, sollten auf der Hut sein – hier macht Software schon heute teilweise bessere Arbeit – und zwar in einem Bruchteil der Zeit, für noch weniger Geld.

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Anja

Sehr schöner Artikel, der es auf den Punkt bringt und mir aus der Seele spricht. Man hat wirklich das Gefühl, das Auftraggeber lieber heute als morgen auf kreative Schreibroboter zurückgreifen wollen würden und Autoren daher immer mehr wie Maschinen behandeln. Dabei ist es genau wie Sie schreiben: Ein Großteil der Arbeit unserer Zunft besteht ja mitnichten in dem reinen Schreiben, sondern vielmehr in der Recherche, dem Abgleichen, Bewerten und Aufbereiten von Informationen – in den meisten Fällen jedenfalls. Wer Wortpreise ansetzt, die diesem Aufwand gerecht würden und einen entsprechenden Stundenlohn gewährleisteten, sorgen nur für ein müdes Lächeln bei potentiellen Auftraggebern… Weiterlesen »