Ist Google wirklich so alternativlos wie viele denken oder gibt es Suchmaschinen, die für Internet-User eine gute Ausweichmöglichkeit darstellen - vor allem dann, wenn man den Schutz der eigenen Privatsphäre und der persönlichen Daten ernst nimmt? Im Beitrag präsentieren wir euch die aktuell interessantesten Google Alternativen auf dem Markt.

Google: das “Tempo” unter Suchmaschinen

“Hast Du mal fix ein Tempo, mir läuft die Nase”, hört man so manchen von Schnupfen Geplagten fragen. Der Markenname “Tempo” hat dabei längst den Allgemeinbegriff “Papiertaschentuch” verdrängt. Tempo ist nicht nur kürzer, sondern prägt sich dementsprechend auch viel leichter in unser Gehirn ein. Wir finden: Marketing par excellence.

Mit Google ist es nichts anderes: Seit 2004 steht das Verb “googeln” sogar im Duden, dem wohl bekanntesten Nachschlagewerk für die deutsche Sprache. Weltweit liegt der Marktanteil von Google bei über 90 Prozent (Stand 2017). Aber welche Anbieter teilen sich die restlichen 10 %?

Suchmaschinen mit eigenem Index

Suchmaschine ist nicht gleich Suchmaschine – vor allem im Bereich der Suchmaschinenoptimierung. Während Meta-Suchmaschinen auf die Ergebnisse anderer Anbieter zurückgreifen und diese aufbereitet ausspielen, setzen Suchmaschinen mit eigenem Index auf eigene Crawler und Datenbanken. Bedeutet: Die Rankingfaktoren für “autonome” indexbasierte Suchmaschinen können sich durchaus voneinander unterscheiden.

Bing / Yahoo

“Bing” klingt doch schon mal ähnlich knackig wie “Google”. Als Verb unternimmt man mit “bingen” allerdings eher eine Reise an den Rhein (Bingen = Stadt am Rhein in Rheinland-Pfalz). Aber hier geht es ja nicht (nur) um schöne Begriffe, sondern vor allem um Funktionen und Usability. Und da kann Bing durchaus punkten: Auch bei der Suchmaschine von Microsoft bekommt man lokale Suchergebnisse oder andere Infos in separaten Kästchen (Featured Snippets) präsentiert und kann die Suche mit einem Klick auf “Bilder, “News”, “Videos” oder “Karten” spezifizieren. Auch sonst merkt man als User eigentlich kaum einen Unterschied zum Marktführer aus dem Silicon Valley. Die Yahoo Suche basiert übrigens auf Bing und ist Teil des Yahoo! Bing Networks.

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Yandex

Yandex wurde im Jahr 1997 online gestellt und wird vornehmlich in Russland genutzt. Der Marktanteil liegt dort bei rund 60 %. Seit 2014 hat Yandex aber auch eine Niederlassung in Berlin und will von dort aus den westeuropäischen Markt angreifen. Verschiedene Metasuchmaschinen greifen bereits auf die Suchergebnisse von Yandex zurück. Ähnlich wie der große Konkurrent aus den USA, bietet auch Yandex ein umfassendes Angebot über die reine Websuche hinaus. Dazu gehören beispielsweise ein Webmail-Service, Nachrichten, Kleinanzeigen, die Bild- und Videosuche, ein Blogservice, Online-Landkarten wie GoogleMaps, ein Staumelder, ein Übersetzer sowie ein Musik-Streamingangebot. Einen eigenen Browser hat das russisch-niederländische Unternehmen mit Sitz in Moskau und Amsterdam ebenfalls im Programm. Bis die Suchmaschine für deutsche User so richtig interessant wird, dürfte allerdings noch etwas dauern.

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Qwant

Qwant ist ein französisches Unternehmen, versteht sich als europäische Antwort auf Google und wirbt wie viele Mitstreiter und Google-Konkurrenten besonders mit dem Thema Datenschutz. Der Slogan hier: “Die Suchmaschine, die Ihre Privatsphäre respektiert”. Alleinstellungsmerkmale von Qwant sind die Anordnung der Suchergebnisse in Spalten und Produkte wie Qwant junior, eine speziell auf Kinder zugeschnittene Suchmaschine, die das Lernen im Internet innerhalb sicherer und kinderfreundlicher Grenzen erlaubt. Im direkten Vergleich mit anderen Google-Alternativen macht Qwant (nach Bing) für uns den besten Eindruck. Auch wenn der Suchindex noch nicht mit der gigantischen Datenbank des US-Giganten mithalten kann, könnte Qwant auf lange Sicht das Monopol von Google in Europa ein wenig eindämmen und Marktanteile abschöpfen.

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Ask

Ask.com wurde bereits 1996 veröffentlicht – damals noch unter dem Namen “Ask Jeeves”, der eine Anspielung auf eine allwissende Romanfigur aus Büchern des Autors P.G. Wodehouse war. Während in den USA noch immer viele User über ask.com das Web durchforsten, nutzen im deutschsprachigen Raum nur wenige Menschen die Suchmaschine, obwohl es seit 2006 unter de.ask.com eine deutsche Version der Suchmaschine mit eigenem Index gibt. Da der Umfang der Suchergebnisse mitunter zu wünschen übrig lässt, sich der Funktionsumfang im Rahmen hält und auch in puncto Datenschutz keine großen Besonderheiten vorhanden sind, ist Ask (für uns jedenfalls) keine wirklich Google Alternative.

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Metasuchmaschinen

Metasuchmaschinen bedienen sich in den Indizes anderer Suchmaschinen, um die Suchergebnisse für das eigene Angebot zu filtern und gegebenenfalls aufzubereiten.

DuckDuckGo

DuckDuckGo ist “die Suchmaschine, die Sie nicht verfolgt” und macht damit direkt deutlich, wo hier der Fokus liegt: Im Gegensatz zu Google und Bing speichert DuckDuckGo keine persönlichen Informationen der Nutzer, durch die Filterblasen entstehen können. Was viele User freut, verärgert allerdings manchen Webseitenbesitzer. Denn zwar kann man auch bei DuckDuckGo Werbung über das Yahoo! Bing Network schalten, doch wenn die Conversion durch nicht-personalisierte Werbeanzeigen sinken sollte, müssten Online-Verlage langfristig Paid Content Angebote ausweiten, um sich zu finanzieren. Hinweis: Weil DuckDuckGo ein US-Unternehmen ist, muss die Suchmaschine trotz aller Datenschutz-Bemühungen Behörden Zugriff auf ihre Server gewähren.

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MetaGer

MetaGer ist ein deutsches Projekt des Vereins für freien Wissenszugang SuMa.ev, das an der Universität Hannover entwickelt wurde. Alle Server stehen uneingeschränkt in der Bundesrepublik Deutschland, was Vertrauen und Kontrolle schaffen soll. Die Suchmaschine speichert nichts, trackt nichts und bietet einen direkten Zugang ins Tor-Netzwerk. Die Suchergebnisse bei MetaGer stammen wie bei jeder anderen Metasuchmaschine von verschiedenen Anbietern. Die Ergebnisse zeigen bei jeder Suche an, welche indexbasierte Suchmaschine den Treffer erzielt hat. Was auffällt ist, dass die Suchergebnisse sehr Yahoo! und Yandex lastig sind und damit meist sehr starke Abweichungen zu Google bestehen. Durch HTTPS und den Verzicht auf Cookies profitiert man bei MetaGer trotz gewisser Schwächen von einer hohen Anonymität beim Surfen.

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Unbubble

Bereits der Name der Suchmaschine verrät, worum es bei Unbubble geht: Filterblasen durch personalisierte Suchergebnisse, die durch gesammelte Daten angepasst werden, sollen hier nicht entstehen. Direkt auf der Startseite macht die anonyme europäische Metasuchmaschine klar, dass keine Suchprofile gespeichert werden, keine Analyse der Suchanfragen erfolgt und einem niemand beim Suchen über die Schulter sieht. Wie bei den meisten anderen Metasuchmaschinen wird auch bei Unbubble die Herkunft der Daten unterhalb der Suchergebnisse angezeigt.

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“Powered by” Suchmaschinen

Als “Powered by” Suchmaschine bezeichnen wir Suchmaschinen, die zwar eine eigene Benutzeroberfläche haben, bei der Suche jedoch den Index eines anderen Anbieters ausspielen. Berühmte Beispiele sind z.B. die Aol. Suche, die sich bei Bing bedient und die Suchmaschinen von web.de oder T-Online, die ausschließlich Google-Suchergebnisse ausspielen.

swisscows

Die Suchmaschine swisscows stammt (der Name verrät es schon) aus der Schweiz und speichert keine IP-Adressen – auch Nutzerprofile werden nicht angelegt. So weiß die Suchmaschine zwar, wonach der Nutzer sucht, mehr aber auch nicht. Umsätze macht die Hulbee AG aus Egnach mit Werbeanzeigen, die anders als bei Google nicht auf personenbezogenen Daten, sondern lediglich auf den eingegebenen Suchbegriffen basiert. Weil diese Suchergebnisse von Bing geliefert werden, ist die Vielfalt groß – eine echte Alternative also. Auch die Aufmachung der Suchmaschine überzeugt.

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StartPage

Die Suchmaschine StartPage macht direkt im Namen deutlich, wo sie hin möchte, stammt aus den Niederlanden und setzt, wie schon der Vorgänger Ixquick, im Besonderen auf den Schutz von Userdaten. Durch einen kostenlosen Proxy-Service, den jeder User nutzen kann, lässt sich die Anonymität bei der Suche im Web noch zusätzlich ausweiten. Standardmäßig nutzt StartPage außerdem eine verschlüsselte SSL-Verbindung. Die Server des Unternehmens stehen in Europa und den Vereinigten Staaten – allerdings kann man als Benutzer festlegen, dass ausschließlich die europäischen Server angesteuert werden sollen.

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Ecosia

Ecosia ist eine alternative Suchmaschine aus Berlin und möchte nicht nur gute Suchergebnisse liefern, sondern auch etwas Gutes für die Umwelt tun. Anzeigenerlöse werden dafür verwendet, in Burkina Faso Bäume anzupflanzen. Im Durchschnitt muss man für einen Baum 45 Suchanfragen tätigen. Sowohl die organischen, als auch die bezahlten Suchergebnisse stammen aus dem Yahoo! Bing Network. Tipp: Probiert Ecosia ruhig mal aus!

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Sonderfälle

Sonderfälle abseits der üblichen Suchmaschinenarten gibt es viele. Dazu gehören z.B. vertikale Suchmaschinen, die lediglich Inhalte zu einem klar abgesteckten Thema erfassen, sowie katalogbasierte Suchmaschinen à la fragFINN.de oder blinde-kuh.de.

Wolfram Alpha

Bei Wolfram Alpha handelt es sich um eine sogenannte Semantische Suchmaschine. Das bedeutet: Die Algorithmen versuchen, die Semantik einer Frage zu verstehen und die passende Antwort darauf zu liefern. Google kann das auch: RankBrain unterstützt die bestehenden Algorithmen dabei, unspezifische Anfragen zu verstehen und passende Antworten zu liefern. Auch die Featured Snippets in Google bieten komprimierte Informationen als Antwort auf Suchanfragen. Wolfram Alpha ist allerdings stark naturwissenschaftlich geprägt und liefert z.B. für mathematische Aufgaben umfangreiche Lösungen mit Graphen und allem drum und dran.

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Shodan

Keine wirkliche Google-Alternative, aber trotzdem interessant: Shodan wird häufig als “Suchmaschine der Hacker” bezeichnet, denn hier geht es nicht primär um das Finden von relevanten Inhalten, sondern um das Aufspüren von technischen Geräten auf der ganzen Welt, die mit dem Internet verbunden sind. Dazu gehören Festplatten mit Cloudfunktion, Web- und Überwachungscams, NAS-Geräte, Netzwerkdrucker sowie Smart-Home-Geräte wie Steckdosen, Türschlösser, Heizungsthermostate und vieles mehr. Die Suchanfragen lassen sich nach Land, Stadt, Hostinganbieter und System eingrenzen, wodurch man als User die Möglichkeit hat, mögliche ungesicherte Webcams zu entdecken. Kostenpflichtige Filterfunktionen sind außerdem für Sicherheitsexperten interessant, die Firmennetzwerke auf Sicherheitslücken überprüfen wollen.

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Fazit:

Für den täglichen Gebrauch ist Google noch immer das Maß aller Dinge. Bing ist dem US-Platzhirschen allerdings auf den Fersen. Da im Yahoo! Bing Network oftmals andere Suchergebnisse angezeigt werden als bei Google, entdeckt man mitunter interessante Seiten, die Google einem “vorenthält”.

Ebenfalls auf der Schirm haben sollte man Qwant: Die Suchmaschine bietet einen großen Funktionsumfang und schöpft aus einem umfangreichen Index, der sich sehen lassen kann – und das bei einem ebenso umfangreichen Schutz der Daten. Wie sich Yandex im deutschsprachigen Raum entwickelt, bleibt abzuwarten.

Metasuchmaschinen wie DuckDuckGo haben durchaus ihre Berechtigung, können aber mit Google, Bing (und Qwant) nicht mithalten, sondern sind rein aus Gründen des Datenschutz interessant. Katalogbasierte Search-Engines und Sonderfälle bleiben Nischenprodukte, die für eine gewisse Klientel tolle Funktionen bieten, aber natürlich keine Alternative zu Google und Co sind.

Ihr seid gefragt: 

Haben wir in dieser Auflistung der Google-Alternativen eine wichtige Suchmaschine vergessen? Dann lasst uns gerne einen Kommentar hier. Außerdem interessiert uns, welche Suchmaschine(n) ihr persönlich nutzt und wieso.

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